46. Beide Hände frei

Auf der Verpackung meines Teebeutels stand einmal: Wenn Du etwas loslässt, hast Du mit einem Mal zwei Hände frei. Genauso entschied ich mich die neue Situation – nun ohne Job der auf mich wartete – zu sehen. Anfangs schlichen immer einmal ein paar verzagende, zweifelnde, resignierte Gedanken um mich herum. Aber ich wollte sie partout nicht denken. Resignation wollte ich keinen Platz in meiner Zukunft einräumen und meine Zukunft begann jetzt.

Ich hatte also jetzt beide Hände frei und krämpelte mir in meiner Vorstellung die Ärmel hoch, um mich noch konzentrierter und hartnäckiger an meine Genesung zu machen. Das war jetzt meine Arbeit und ich gab mich hundertprozentig dieser nun einzigen Aufgabe hin. Ich hatte gar keine andere Wahl: Wenn ich irgendwann wieder auch nur einen ganz einfachen Job machen wollte, musste ich meinen Zustand verbessern oder ich war auf Dauer ein Krankheitsfall. Das wollte ich sicher nicht! Inzwischen hatte ich ja durch die Chinesenmedizin so viele Methoden erlernt, die ich alle selbst ohne Therapeuten praktizieren konnte und schrittweise erprobte ich, was ich davon umsetzen konnte. Das „Ganz-bei-mir-selbst-sein“ tat mir sehr gut und ich hörte immer besser auf mein Bauchgefühl und konnte dann intuitiv das machen, was gerade wichtig für mich war. Weiterhin waren meine Atemübungen, QiGong, das Spazieren (wenn ich irgendwie konnte auch zwei Mal täglich), Trockenbürsten und Selbstmassage, das Behandeln meiner kalten Körperstellen mit der Wärmflasche, das Kochen zu jeder Mahlzeit (das nahm mit die meiste Zeit in Anspruch), das Austüfteln der nächsten Kräuterrezeptur samt Mischen und Kochen meine täglichen Körperpflegemaßnahmen. Meine Strategie war: dem Körper alles geben, was er braucht um sich wohl zu fühlen, dass die Blockade der Selbstheilungskräfte sich irgendwann lösen konnte. Den kontinuierlichen Anstieg meiner Verfassung seitdem ich entschied, das mit den chinesischen Kräutern selbst in die Hand zu nehmen, konnte ich mit den anderen Methoden untermauern und ich hatte ein sehr gutes Gefühl auf dem absolut richtigen Weg zu sein.

Irgendwie hatte ich gehofft, dass mir vielleicht mein Unterbewusstsein nur einen Streich spielte und mein Zustand sich nach der Kündigung meiner Stelle ganz rasant verbessern würde. Aber gesundheitlich hatte diese Entscheidung keine Auswirkungen. Ich merkte eher eine deutliche Verbesserung, je intensiver ich mein Gesundheitstrainingsprogramm absolvierte. Ich hatte natürlich nicht immer Energie, das alles so konsequent durchzuziehen und es gab auch Zeiten, da fühlte ich mich zu schwach, um auch nur irgendetwas zu tun. Sofort merkte ich, wie mein Zustand stagnierte, gar wieder schlechter wurde. Das zeigte mir mein Körper äußerst deutlich, dass ich nur mit Aktivität etwas an meinem Zustand ändern konnte. Nur die Initiative für die ich eigentlich keine Kraft hatte, konnte mich aus dem immerwährenden Teufelskreis der Chronizität befreien. Das war nun sicher. Jeden Tag versuchte ich etwas von den Methoden umzusetzen, mal mehr mal weniger – aber immer etwas. Und ich fand auch einen Weg besser mit meinem Schweinehund umzugehen. Er bekam nun ganz bewusst auch seine Zeit und ich gab mich dann diesem Nachgeben voll hin, ohne mich dafür zu rügen. Und seit dem ich meinem Schweinehund diese Zeiten einräumte, war es nicht mehr so schwer sich zu den anderen Zeiten aufzuraffen, trotz aller Symptome und der körperlichen Dysharmonie. Ich hatte nur ein Ziel vor Augen:

Meine vollständige Genesung. Hartnäckigkeit sollte mein ständiger Begleiter sein.

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