44. Mein Sofa erholt sich

Das Leben ohne Hitzesymptome war ein Genuss. Schon allein diese eigenartige Unruhe loszusein, die mich manchmal wie ein Tiger umherstreifen ließ, obwohl ich total erschöpft war, machte mich stolz. Das wechselte ja dann bei Rezepturanpassung durch Therapeuten schnell ins andere Extrem, so dass ich so schwach war, dass ich vom Sofa nicht mehr hoch kam. Schon allein nicht mehr diese extremen Höhen und Tiefen erleben zu müssen, waren eigentlich eine große Party wert. Ja, ich hatte immer mehr das Bedürfnis danach Freunde einzuladen und zu treffen. Und ich fing an mir wieder öfter Freunde nach Hause zu bestellen. Erst einzeln und dann traf ich mich auch mal mit zweien. Es tat mir gut und immer mehr konnte ich meiner Krankheit dadurch zeigen, dass ich mich ganz langsam und Schritt für Schritt von ihr entfernen wollte. Die Symptome, die trotzdem ständig mit dabei waren, versuchte ich immer mehr zu verdrängen und mich auf die schönen Augenblicke zu konzentrieren und mich über das erfolgte Treffen zu freuen. Das war sehr anstrengend aber es lohnte sich. Die mentale Herangehensweise, meinen Viren den Kampf zu erklären und mich von ihnen nicht mehr vom Leben abhalten zu lassen, war eine der wichtigsten Entscheidungen, die ich seit Krankheitsbeginn getroffen hatte. Beides, die mentalen Veränderungen und die Kräuter halfen mir endlich zu mehr Kraft zu finden, bzw. mehr Energie zu sparen und für mich zu behalten. Was mir vor allem mental sehr half war ein Gedanke, den meine Psychotherapeutin der ersten Klinik mir mit auf den Weg gab, dass es für mich wichtig sei „von einem Trichter zum Filter zu werden“. Ich war immer sehr im Außen unterwegs, schaute immer darauf, dass es den Menschen um mich herum gut ging und munterte sie auf, wenn sie schlecht drauf waren oder es schwer hatten. Das war unbewusst wohl so meine „Lebensaufgabe“. Auf meine eigenen Bedürfnisse zu achten war mir völlig fremd. „Danke liebe Krankheit, dass ich das endlich lernen darf!!!!“ Ja, das meine ich ernst! Ich verstand meine Krankheit immer mehr als Chance und besonders als große Lernaufgabe an der ich nicht scheitern wollte. Mein Bauchgefühl sendete mir ein eindeutiges Signal, dass ich zu absoluter Gesundheit finden würde, wenn ich alles verstanden hatte.

Aber zurück zum Trichter & Filter. Ich war wirklich ein Trichter, alle Launen und Befindlichkeiten meiner Mitmenschen nahm ich IN mich auf und suchte für sie gedanklich nach Lösungen. Bis zu diesem Zeitpunkt passierte das alles für mich völlig unbewusst aber die Therapeutin traf damit genau den Punkt. Und es war genau die Filtervorstellung, nach der ich mich so sehr sehnte. Sie war auch DAS Energieeinsparpotenzial schlechthin. Schlechtes wollte ich ab jetzt immer an mir abprallen lassen. Keine schlechten Energien anderer Menschen oder Umwelteinflüsse sollten je wieder den Weg in mich hinein finden. Vom Trichter zum Filter.

Mit den Kräutern lief es weiterhin sehr gut. Dadurch, dass ich ganz langsam und wenig anpasste war ich sehr stabil auf einem Niveau. Und ganz langsam merkte ich, wie sich meine Auf-dem-Sofa-liegen-Zeit verringerte. Manchmal gab es schon Tage, da konnte ich nach dem Früh-Spaziergang und einer 20min Sofapause wieder weiter machen. Ein klein wenig Hausarbeit, zwischendurch mal 10min Sofa und weiter z.B. Wäsche aufhängen. Ich musste mich dazu nicht zwingen, ich hatte die Motivation etwas zu tun. Chinesisch ausgedrückt: mein Milz-Qi wurde stärker und die Hitzesymptome konnte ich weiter in Schach halten. Mein Selbstbewusstsein stieg und sogar meine Körperspannung kehrte ganz allmählich zurück. Das war verblüffend, die Kräuter und mein Gesundheitstrainingsprogramm richteten mich wieder auf. Die Benommenheit, die mich die ganzen Jahre regelmäßig begleitete, zwar auch ab und zu einmal verschwand aber leider immer wiederkehrte, wich einer Wachheit, die ich schon vergessen hatte, dass es sie gab. Der klare Blick, den ich schon ab und zu genießen durfte, ließ mich unendlich staunen über das, was gerade mit mir geschah.

So langsam fing ich an ein paar Bilder in der Wohnung von der Wand zu nehmen und die Löcher zu verschließen. Ich verpackte die Bilder sorgfältig und ruhte mich wieder aus. Mein Körper konnte langsam etwas Vertrauen schöpfen, dass ich sein Ruhebedürfnis jetzt nicht mehr übergehe, sondern darauf höchste Priorität legte, dass es ihm gut geht. Alles andere hatte sich dem unterzuordnen. Was für eine Übung!!! Aber ich spürte, dass das der einzige Weg war meine neu gewonnene zarte Energie nicht gleich wieder zu verpulvern. Ich war froh, dass ich inzwischen genau zwischen den Botschaften des Verstandes oder des Bauchgefühles unterscheiden konnte. Bei allen Tätigkeiten versuchte ich „in meiner Mitte zu bleiben“ und auf mein Bauchgefühl zu hören, was jetzt gerade dran war. Es kam mir vor, als stellte mich mein Körper auf die Probe, ob ich schon etwas gelernt hatte. Der Umzug war wohl dazu gut geeignet…

search previous next tag category expand menu location phone mail time cart zoom edit close