29. Erster Infektversuch

März 2017

Das Postvirale Erschöpfungssyndrom ist nun zweifelsfrei als Immunschwächekrankheit zu beziffern. Ist der Körper zu schwach, fühlen sich alle Arten von Pathogenen wohl und erobern ihn für sich. Für uns CFS-ler liegt wohl die Herausforderung darin, uns unseren Körper zurückzuerobern? Nach meinen Erfahrungen ist alles was uns und unseren Körper verwöhnt, egal ob Mentaltraining, Massagen, gutes geeignetes Essen, Atemmeditationen, Gedankenhygiene, Vermeidung von übermäßigen Reizen und viele, viele Verwöhnprogramme für uns die Therapie. Natürlich begleitet von chinesischen Arzneidrogen und wer es sich leisten kann zusätzlich mit Mitochondrieninfusionen. Dieses Komplettprogramm stärkt unser Immunsystem und drängt die Bösewichter zurück. In der Klinik habe ich gelernt, dass das Ziel ist, meinen Körper wieder „infektfähig“ zu machen. Nur mit richtigen Infekten können nach und nach auch alle Unholde meinen Körper wieder verlassen. Das geht auf verschiedene Art und Weise, egal ob z.B. Magen-Darm-Infekt oder Atemwegsinfekt. Alles was starke Ausscheidungen verursachen würde war erwünscht. Das war für mich auch erst einmal ein Gedanke an den ich mich gewöhnen musste aber nach allem, was ich nun darüber wusste mehr als logisch. Aus dem Körper sollte viel herauskommen was nicht hineingehört und das funktionierte eben nicht alles nur über den „normalen“ Stuhlgang oder Wasserlassen. Immer, wenn ich mich an einem Tag stärker als sonst fühlte oder eines dieser antiviralen Kräuter wie z.B. Pinelliae Rhizoma, Saposhnikoviae Radix, Cinnamomi Ramulus, Lonicera Flos oder Forsythiae Fructus in meinem Dekokt waren, hatte ich nun Halskratzen, Gliederschmerzen und Schüttelfrost aber andere innere Symptome dafür weniger. So war die Zeit nach dem Klinikaufenthalt davon geprägt, dass mein Infekt gefühlt vom tiefsten Inneren meines Körpers hin und her schwang zu den Außenschichten und wieder zurück. Für meine Vorstellung war es ein einziges Virus, das in mir drin dieses Chaos veranstaltete. Es war mir egal, ob das nun medizinisch so korrekt war oder nicht aber für mein Gefühl war es wichtig auch eine visuelle Vorstellung von dem zu haben, was da meinen Körper von seiner natürlichen Funktionsweise abhielt.  So überlegten mein Mann und ich uns einen Namen. Mein Virus sollte ab jetzt „Victor“ heißen. Alle Menschen, die diesen schönen Namen tragen mögen mir bitte verzeihen!!! Aber so konnte ich ihn endlich direkt ansprechen, das war für meine Vorstellungskraft eine schöne Hilfe und nahm der ernsthaften Erkrankung die Ernsthaftigkeit. Von nun an hatte ich so auch eine visuelle Vorstellung vom Zurückdrängen von Victor und vom Zurückerobern meines Körpers. Und das brachte mir gleichzeitig immer ein Lächeln auf die Lippen, weil ich dem Ganzen dadurch den Schrecken nahm. Und Lächeln ist ja bekanntlich sowieso die beste Medizin…

Nun kam der März, ich kam mit meinen Dekokten gerade sehr gut zurecht und sie schmeckten mir regelrecht. Mein Ambulanzarzt „bastelte“ mir noch Pinelliae Rhizoma in meine vorhandene Rezeptur hinein und dann kam plötzlich ein Infekt. Es fing an mit heftigen Halsschmerzen und am nächsten Tag hatte ich einen schönen ergiebigen Schnupfen. Die Nächte waren furchtbar, da ich ja nun die Nasentropfen nicht mehr nehmen sollte. Ich schlief auf dem Sofa, wollte auch durch meine Unruhe meinen Mann lieber in Ruhe in seinem Bett schlafen lassen. Ich baute mir aus Kissen eine kleine Erhöhung für den Oberkörper, damit ich irgendwie Luft bekam. Zwei Nächte lang schwitzte ich auch sehr heftig, so dass ich mich mitten in der Nacht umziehen musste. Mir ging es zwar sehr elend aber ich fühlte, dass das der richtige Weg war. Und plötzlich war der Infekt vorbei. Als hätte jemand auf einen Knopf gedrückt und die ganze Maschinerie angehalten. Das war eigenartig. Und von dieser Minute an hatte ich alle nervigen Chronic-Fatique-Symptome wieder. Wieder war ich extrem schwach, die Verdauung war erneut schlechter geworden und ich hatte jeden Tag rasende Kopfschmerzen. Ich hatte richtig das Gefühl, dass mein Körper vor Kraftlosigkeit die Infektabwehr abbrechen musste, ohne zum Ziel gekommen zu sein. Aber immerhin war das schon einmal eine Reaktion in die richtige Richtung. Mein Immunsystem hatte einen kleinen Anlauf genommen! Nachdem ich mich wieder etwas erholt hatte kam sofort die Motivation zurück auf diesem Weg weiter zu gehen. Meine Schritte waren: zu Kräften kommen, Verdauung wieder stabilisieren und hoffen, dass mein Körper wieder die Kraft für einen erneuten Infektschub aufbringen konnte, der vielleicht schon etwas effektiver ablaufen würde.

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