17. Ein toller Sommer trotz Einschränkungen

Der Sommer 2016 war für uns schon ein toller Erfolg. Ich spielte noch das Open-Air-Konzert in meinem Lieblings-Gute-Laune-Orchester und freute mich, dass ich das doch dreistündige Konzert bis auf etwas Schwindel, Benommenheit und extremem Frieren kräftemäßig ganz gut überstand. Ich konnte ohne Angst vor Schwäche vom Stuhl zu kippen das Konzert richtig genießen und hoffte, dass das Problem mit dem Schwindel auch noch zu lösen ging. Meine Kollegen und ich verabschiedeten uns in den Urlaub und ich war so zuversichtlich, dass ich die neue Spielzeit dann vollends wieder hergestellt sein würde. Den Ohrwurm der an diesem Abend erklungenen Candide-Ouvertüre nahm ich weit hinein mit in den Urlaub.

Mein Mann war schon eine Woche lang unterwegs mit seinem Fahrrad und unserem Zelt, er brauchte schon etwas Ausarbeitung. Und eine mehrtägige Fahrradtour traute ich mir wirklich nicht zu. Ich war froh, dass die Kraft für alle Normalpuls-Aktivitäten ausreichte. Sobald ich etwas unternahm, wobei der Puls nach oben ging, verlor ich übermäßig schnell an Kraft und ich brauchte dann extrem lange, um mein Energielevel von vorher zu erreichen. Nix mit Training. Am besten ging es mir, wenn ich darauf aufpasste, dass ich bei ca. 90% meiner damaligen zur Verfügung stehenden Kraft aufhörte. Aber bis zu diesen 90% konnte ich gehen und das ließ einiges an Leben zu, worüber ich den ganzen Sommer über dankbar war.

Unser Zelt stand auf einer saftigen grünen Wiese mit ein paar anderen Zelten direkt am See. Wir verbrachten eine Woche auf einem kleinen idyllisch gelegenen Campingplatz in der Mecklenburger Seenplatte.

Kanufahren war am besten geeignet für mich. So schipperten wir je nach Lust und Laune auf dem See mal hierhin mal dorthin und entdeckten viele schöne Uferplätze zum Picknicken.

Die Einschränkungen bestanden darin, dass ich drei Mal am Tag ein gekochtes Essen brauchte, konnte mir also nicht einfach ein belegtes Brot einpacken. Ich hatte mir aber schöne Thermobehältnisse besorgt, so konnte ich früh gleich mein Mittagessen kochen und für unterwegs mitnehmen. Außerdem vertrug ich die Sonne überhaupt nicht, da bekam ich sofort Kopfschmerzen und Schwankschwindel. Meine Kraft musste man mit „Sie“ ansprechen, dass sie mir erhalten blieb. Ich versuchte mich rundum warm zu halten, wie es mir Frau San immer wieder gesagt hatte und damit konnte ich mir ganz gut helfen. Ich hatte sogar eine Wärmflasche mitgeschleppt, die sich als Engel erwies, da das Wetter doch recht kühl blieb. Die Nahrungsmittelunverträglichkeiten waren deutlich aber mit der Steinzeitkost fast ohne Getreide ging es recht gut. Komischerweise vertrug ich frisch gebackenen Kuchen ganz gut, ich hatte sogar mehr Kraft danach und das war auch die einzige Möglichkeit einmal Obst zu mir zu nehmen ohne, dass ich Kopfschmerzen bekam. Am meisten Kraft bekam ich von Schokomuffins. Durch die chinesische Diätetik wusste ich, dass Kakao für mich sehr geeignet war, leider nur ist der in Bäcker-Leckereien meist immer mit viel Zucker verarbeitet. Von zuviel Zucker wurde ich schnell schwer und die Benommenheit wurde mehr. So vermied ich ihn und nahm ihn in diesem Sommer nur in Form von Kuchen zu mir. Alle anderen Speisen kochte ich ja selbst und waren zu 90% so, wie in meiner empfohlenen Ernährungstherapie beschrieben. Nur auf Eis und Rohkost musste ich weiterhin streng verzichten, das hätte mich wirklich schnell umgehauen. Chinesische Kräuter nahm ich in diesem Sommer keine ein. Ich hatte durch die Medikation von Frau San zunehmend irgendwie eine starke Abneigung entwickelt. Einen neuen Akupunkturtermin hatten wir erst wieder im August nach dem Urlaub ausgemacht. So lange war ich erst einmal ohne Behandlung. Meine Kraft war in diesen Sommerwochen bei gefühlten 90%. Es fehlte immer etwas, das merkte ich täglich aber ich versuchte es auszublenden und auch von der Krankheit, was immer das Komisches war, einmal richtig Urlaub zu machen.

Den zweiten Teil des Urlaubs verbrachten wir an der Ostsee. Leider war es sehr überlaufen und mit der Ruhe, die wir auf den Mecklenburger Seen eingesogen hatten, war es vorerst vorbei. Aber es war sehr schön, trotz kühlem windigen Wetter die Nase nocheinmal in die Meeresbrise zu stecken.

Ich erlebte diesen Sommer sehr intensiv. Schließlich hatte ich in den Monaten zuvor so starke Krafteinbrüche erlebt, dass es für mich überhaupt nicht selbstverständlich war so viel unternehmen zu können. Das hatte ich definitiv der Behandlung von Frau San zu verdanken. Sie hat mir wirklich viel Kraft gegeben und ich hoffte sehr, dass alle verbliebenen Wehwehchen, bzw. sogar die neu aufgetretenen Probleme, auch noch erfolgreich behandelt würden.

Wahrscheinlich hätte ich den Urlaub sogar noch intensiver genossen, wenn ich gewusst hätte, dass ich die nächsten zwei Sommer nicht in der Lage sein würde irgendwohin zu reisen……

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